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Ulrich Joost „Schmierbuchmethode bestens zu empfehlen“ incollection Ulrich Joost untersucht in seinem Beitrag die Entstehung, materielle Beschaffenheit, Überlieferung und gattungstheoretische Einordnung von Georg Christoph Lichtenbergs privaten Notizbüchern, den sogenannten „Sudelbüchern“. Während Lichtenberg der Nachwelt vor allem durch das Etikett des Aphoristikers bekannt ist, verstand er selbst unter einem „Aphorismus“ primär kurze fachwissenschaftliche oder medizinische Lehrsätze und bezeichnete seine eigenen Aufzeichnungen nie so. Joost charakterisiert die seit 1765 erhaltenen Hefte und späteren, mit Großbuchstaben bezeichneten Halblederbände als eine fortlaufende intellektuelle Selbstbeobachtung; wann Lichtenberg mit diesen Aufzeichnungen begann, ist unbekannt. Klassische Tagebuchmerkmale fehlen weitgehend, obwohl er einzelne Einträge datierte und gelegentlich etwa Träume festhielt. Die Einträge vereinen Lesefrüchte, Wortspiele, philosophische Fragen und physikalische Notizen; um 1780 ließ Lichtenberg allgemeine und naturwissenschaftliche Aufzeichnungen von vorn und hinten in den Bänden einander entgegenlaufen. Joost vermutet, dass ein englisch-deutsches Sprachlexikon Lichtenberg zu seiner kaufmännischen Metapher des „Waste-book“ angeregt hat, und setzt das vorgeschlagene Verfahren in Beziehung zu humanistischen Sammelbuchtraditionen. Das in E46 entworfene dreistufige Schema entsprach nach Joost jedoch nicht Lichtenbergs tatsächlicher Praxis: Die sorgfältig geführten und bewahrten Notizbücher selbst bildeten bereits sein eigentliches Hauptbuch. Die Bezeichnung „Sudelbuch“ versteht Joost deshalb auch als selbstironische Untertreibung. Viele einzelne Notizen erfüllen zwar einen strengen Aphorismusbegriff, doch stellen die Bücher aufgrund ihrer Entstehung, materiellen Gestalt und Schreibpraxis einen historischen Sonderfall dar. Joost grenzt sie von der französischen Moralistik und späteren romantischen Fragmenten ab und beschreibt sie als heuristisches Denkwerkzeug und als Mittel intellektueller Selbstverständigung. - KI-generierte Zusammenfassung.

„Schmierbuchmethode bestens zu empfehlen“

Ulrich Joost

In Jean Mondot (ed.) Les aphorismes de Lichtenberg, Paris, 2001, pp. 24--35

Abstract

Ulrich Joost untersucht in seinem Beitrag die Entstehung, materielle Beschaffenheit, Überlieferung und gattungstheoretische Einordnung von Georg Christoph Lichtenbergs privaten Notizbüchern, den sogenannten „Sudelbüchern“. Während Lichtenberg der Nachwelt vor allem durch das Etikett des Aphoristikers bekannt ist, verstand er selbst unter einem „Aphorismus“ primär kurze fachwissenschaftliche oder medizinische Lehrsätze und bezeichnete seine eigenen Aufzeichnungen nie so. Joost charakterisiert die seit 1765 erhaltenen Hefte und späteren, mit Großbuchstaben bezeichneten Halblederbände als eine fortlaufende intellektuelle Selbstbeobachtung; wann Lichtenberg mit diesen Aufzeichnungen begann, ist unbekannt. Klassische Tagebuchmerkmale fehlen weitgehend, obwohl er einzelne Einträge datierte und gelegentlich etwa Träume festhielt. Die Einträge vereinen Lesefrüchte, Wortspiele, philosophische Fragen und physikalische Notizen; um 1780 ließ Lichtenberg allgemeine und naturwissenschaftliche Aufzeichnungen von vorn und hinten in den Bänden einander entgegenlaufen. Joost vermutet, dass ein englisch-deutsches Sprachlexikon Lichtenberg zu seiner kaufmännischen Metapher des „Waste-book“ angeregt hat, und setzt das vorgeschlagene Verfahren in Beziehung zu humanistischen Sammelbuchtraditionen. Das in E46 entworfene dreistufige Schema entsprach nach Joost jedoch nicht Lichtenbergs tatsächlicher Praxis: Die sorgfältig geführten und bewahrten Notizbücher selbst bildeten bereits sein eigentliches Hauptbuch. Die Bezeichnung „Sudelbuch“ versteht Joost deshalb auch als selbstironische Untertreibung. Viele einzelne Notizen erfüllen zwar einen strengen Aphorismusbegriff, doch stellen die Bücher aufgrund ihrer Entstehung, materiellen Gestalt und Schreibpraxis einen historischen Sonderfall dar. Joost grenzt sie von der französischen Moralistik und späteren romantischen Fragmenten ab und beschreibt sie als heuristisches Denkwerkzeug und als Mittel intellektueller Selbstverständigung. - KI-generierte Zusammenfassung.